Anikó G.-M.

Geboren mit einem besonderen Herzen.

Kunstwissenschaftlerin. Politikerin. Bildungsgestalterin.

Anikó wurde 1982 in Havelberg geboren und wuchs dann in Glöwen, einem kleinen Ort in der Prignitz, auf. Wer dort aufwächst, lernt früh, dass die Welt größer ist als das, was man vor der Haustür sieht, und dass es sich lohnt, auf sie zuzugehen. Den Grundstein dafür legte eine Kunstlehrerin am Oberstufenzentrum Wittenberge mit ihrem mitreißenden Unterricht, der in Anikó eine Leidenschaft für Kunst und Kultur weckte, die sie nie wieder loslassen sollte.

Neustart in der Löwenstadt

Nach dem Wirtschaftsabitur begann sie, in Magdeburg Lehramt zu studieren. Dann erzwang das Leben eine Pause. Eine Operation, eine Auszeit – und die Frage, was sie mit ihrem Leben wirklich anfangen will. Die Antwort fand sie an der Kunsthochschule in Braunschweig. Hier konnte sie ihre Leidenschaft zum Beruf machen und blieb. Sie absolvierte einen Bachelor und Master, erhielt ein Stipendium der Friedrich-Naumann-Stiftung und arbeitete in Forschung und Lehre an der TU Braunschweig. Und immer: selbst anpacken. Sie war selbstständig im Kulturbereich tätig, initiierte das GründerinnenForum der Region Braunschweig, weil sie anderen Frauen Türen öffnen wollte, die ihr selbst nicht immer offenstanden.

Der schwerste Schlag

Im Jahr 2019 starb ihr Ehemann Kai nach einem Unfall. Das Paar hatte gerade ein Haus gekauft und ihre Eltern waren zu ihnen gezogen, doch dann war plötzlich alles anders. Noch mitten in diesem Trauma begann die Coronapandemie, die die Kultur und die ganze Welt zum Stillstand zwang.

Aus dieser Stille heraus reifte ihr Entschluss: Sie wollte der Kultur eine Stimme in der Politik geben – nicht reden, sondern handeln. 2021 zog Anikó Glogowski-Merten für die FDP in den Deutschen Bundestag ein. Das Mädchen aus Glöwen im Parlament. Als kulturpolitische Sprecherin ihrer Fraktion setzte sie sich für Künstler:innen, für Festivals und für den Kulturpass ein. Und sie stimmte, wenn nötig, gegen den Strom der eigenen Fraktion, denn für sie gilt Überzeugung mehr als Bequemlichkeit.

Heute ist sie Direktorin der Landeszentrale für politische Bildung Niedersachsen. Demokratie erklären, Menschen erreichen, Haltung fördern – das ist ihr Auftrag. Und irgendwie war es das immer schon.

Die ganze Wahrheit

Was man Anikó nicht auf den ersten Blick ansieht: Sie wurde mit einem angeborenen Herzfehler geboren, der sich in einem Loch in der Herzscheidewand, einer Verengung im Ausflusstrakt und einer undichten Aortenklappe äußert. Am 2. Juni 2005 wurde sie im Deutschen Herzzentrum Berlin operiert. Das Loch wurde verschlossen und die Verengung beseitigt. Ein Eingriff, der ihr Leben veränderte, aber nicht beendete. Denn die Aorta bleibt unter Beobachtung und das Herz ist ein treuer, aber anspruchsvoller Begleiter.

Seit 2005, dem Jahr ihrer Operation, ist sie Mitglied bei JEMAH e.V. Sie spricht offen über ihre Diagnosen, weil sie weiß, was es bedeutet, wenn jemand anderes das tut.

„Herzen besitzen eine Stärke, die über das rein Körperliche hinausgeht und sie sind so individuell, wie diejenigen, die sie in sich tragen.“ eure Anikó

Bild: Michelle Kortz