Johannes G.

Geboren mit einem schweren Herzfehler – trotzdem voller Leben.

Lehrer. Imker. Biologe.

Johannes, geboren 1981, ist Diplom-Biologe und unterrichtet Biologie, Chemie und Ethik. Wenn Schülerinnen und Schüler im Unterricht auf eigene Ideen kommen, ist ihm das alle Mühe wert. Die Nachmittage gehören – nach Korrekturen und Unterrichtsvorbereitung – seinen vielen Interessen.

Lehrer auf dem zweiten Gleis

An das Lehramt hatte Johannes eigentlich nie gedacht. Eine Verbeamtung schien ohnehin unrealistisch, also studierte er Biologie auf Diplom und forschte an Ameisen und Bienen. Erst auf Zureden hin wagte er ein Praktikum im Schuldienst – und die Resonanz überraschte ihn. Die Aussichten als Diplom-Biologe waren zu der Zeit eher überschaubar, also entschied er sich: Lehramt für Realschule in Bayern, zweites Studium, neuer Weg.

Der damalige Lehrermangel und eine Reihe glücklicher Umstände führten schließlich sogar zur Verbeamtung. Mit einer Einschränkung: Keine private Krankenversicherung hätte ihn als Mitglied aufgenommen. Von Privatkassen hält er seitdem nicht mehr viel.

Imker auf Umwegen

Seine Stelle verschlug Johannes nach Bad Königshofen, gelegen zwischen der bayerischen Rhön und dem Thüringer Wald. Da er und seine Frau dort niemanden kannten, riet sie ihm, einem Verein beizutreten. Seine Kenntnisse über Bienen erwiesen sich dabei als Türöffner – und aus dem Biologen wurde ein Imker.

„Im Sommer draußen in der Flur an den Bienenstöcken zu arbeiten ist das Schönste, was man sich vorstellen kann. Um wenig gestochen zu werden, muss man langsam und behutsam vorgehen. Wenn dann die vielen Bienen friedlich um einen herum summen und man in der Abendsonne ganz ruhig werden kann, ist das die beste Meditation, die es gibt.“

Vereine

Johannes ist in vielen Vereinen Mitglied – bei JEMAH e.V. ist er seit über 20 Jahren aktiv dabei. Als Regionalleiter für Franken war er bei unzähligen Veranstaltungen mit dabei, und im Vorstand engagiert er sich nun seit rund zehn Jahren.

Dass ihn auch die Imker zur Mitarbeit überreden konnten, überrascht da kaum. Besonders am Herzen liegen ihm Führungen am Lehrbienenstand. „Wenn sich bei Besuchern die Angst vor Bienen in Achtsamkeit und Respekt wandelt, hat man viel erreicht.“

Familie

Bad Königshofen ist ein beschauliches Örtchen, in dem die Welt noch in Ordnung scheint. Es gibt dort so ziemlich alles, was man braucht – auch wenn der Ärztemangel manchmal eine Herausforderung ist. Johannes lebt dort mit seiner Frau und seinen Kindern, und er schätzt genau das: die Ruhe, die Überschaubarkeit, die Verwurzelung.

Viele Interessen. Wenig Zeit.

Schuldienst und Ehrenamt kosten viel Zeit. Was bleibt, füllt Johannes gerne mit Klavier, Astronomie, Kirchenarbeit, Theater und Konzerten. Mehr Sport wäre laut Ärzten wichtig – aber über etwas Schwimmen oder Radfahren hinaus ist im Alltag nicht viel mehr drin. Das nimmt er mit Humor.

Die ganze Wahrheit

Was man Johannes nicht auf den ersten Blick ansieht: Er wurde mit einem univentrikulären Herzen geboren und war, wie viele Herzkinder, schon einmal zu oft im Krankenhaus. Nach einer erfolgreichen Fontan-Operation im Jahr 1991 läuft sein Kreislauf halbwegs stabil. Die jährliche EMAH-Kontrolle und die Leber-Sprechstunde sind Pflichttermine – angenehm sind sie nie. Dazu kommen weitere Arztbesuche und eine bunte Mischung aus Tabletten, die zum Alltag gehören.

„Wir EMAH-Patienten sind unsere eigene Statistik. Wie die Zukunft aussieht, kann uns keiner sagen. Doch damit diese für alle lebenswert ist – dafür können wir etwas tun.“