Stefanie U.
Geboren mit einem schweren Herzfehler – trotzdem voller Leben.
Erzieherin. Ehefrau. Mutmacherin.
Steffi, Jahrgang 1987, ist Erzieherin aus Leidenschaft. Mit großer Freude geht sie ihrer Arbeit nach, bringt sich mit ihren Stärken ein und erfährt viel Wertschätzung. Sie arbeitet heute 28 Wochenstunden – eine bewusste Entscheidung für Balance zwischen Beruf und Privatleben.
Drei Ausbildungen, drei Neuanfänge
Steffis beruflicher Weg zeigt ihre Vielseitigkeit: Zunächst absolvierte sie eine Ausbildung zur Bankkauffrau, gefolgt von einer Ausbildung zur Fremdsprachenkorrespondentin. Drei Monate arbeitete sie im Disneyland Paris – eine Zeit, in der sie aufblühte. Der Kontakt zu jungen Leuten aus der ganzen Welt, das Gefühl, ganz allein etwas zu schaffen, taten ihr richtig gut.
Zurück in Deutschland entschied sie: Nicht nur im Ehrenamt, sondern auch beruflich wollte sie sich sozial einbringen. Also folgte eine dritte Ausbildung – sie wurde Erzieherin. Es war die richtige Entscheidung.
Kreativität und Engagement
Steffi ist kreativ: Gemeinsam mit ihrer Freundin Eva schrieb sie das Bilderbuch „Emma das Mutmachzebra“. Sie engagiert sich in der Selbsthilfegruppe „Mit Herz und IQ“ und leitet eine Regionalgruppe des JEMAH e.V. in Augsburg. Ihr Antrieb: anderen Mut zu machen, Erfahrungen zu teilen, zu zeigen, dass ein erfülltes Leben möglich ist.


Familie und Eigenheim
2017 heiratete Steffi. Kurz darauf begann der Bau des Eigenheims – barrierefrei geplant, zwei Jahre lang durchdacht. Der Hausbau war eine der größten Herausforderungen ihres Lebens, half ihr aber, sich körperlich mehr zuzutrauen, sich aktiv einzubringen und über sich hinauszuwachsen.
Sie hat einen Mann an ihrer Seite, der sie unterstützt und trägt. Die beiden haben ihren Weg gemeinsam gefunden, auch in schwierigen Zeiten.
Hobbys und Lebensfreude
In ihrer Freizeit ist Steffi gerne kreativ, liest viel und praktiziert seit 2019 Qigong. Sie hat gelernt, auf ihren Körper zu hören, bewusst hineinzuspüren, ihre Grenzen zu respektieren – aber auch ihre Möglichkeiten auszuschöpfen.
Oft denkt sie, dass ihre Erfahrungen sie zu der Person gemacht haben, die sie heute ist. Wie sie gerne mit einem Zitat von Janosch sagt: „Ich bin stark wie ein Tiger und du bist stark wie ein Bär. Das reicht.“
Die ganze Wahrheit
Was man nicht auf den ersten Blick sieht: Steffi wurde mit einem Ventrikelseptumdefekt und einer Aortenisthmusstenose geboren. Die ersten Monate verbrachte sie in der Klinik, mit sechs Monaten die erste Herzoperation, vor der Einschulung der Verschluss des Herzfehlers – eine Operation am offenen Herzen. Mit 14 Jahren entwickelte sie eine Angst- und Panikstörung, ausgelöst durch traumatische Klinikaufenthalte und mangelnde Informationen über ihren Herzfehler. Mit 19 Jahren die Diagnose einer pulmonalen arteriellen Hypertonie (PH), einem Lungenhochdruck – eine Erkrankung, die ihr Leben prägte. Lange bekam sie keine Antworten auf ihre Fragen, fühlte sich nicht verstanden. Erst im Herzzentrum Leipzig wurde sie gründlich untersucht: Der Lungenhochdruck war seit über zehn Jahren stabil, sie hat ihn wahrscheinlich von Geburt an. Therapien, Atemtherapie, Rehabilitation – alles Teil ihres Weges. 2023 ließ sie sich sterilisieren – mit starken Komplikationen – weil die Risiken einer Schwangerschaft mit PH zu groß waren.
Ihr Weg war geprägt von Unsicherheit, Angst, langen Kämpfen um Verständnis und Behandlung. Doch Steffi hat gelernt, ihre Geschichte anzunehmen.
Steffi hat das alles erreicht – trotz allem.
